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LilyPond / Fragen und Antworten
Im MuseScore-Faden ist LilyPond schon angeklungen. Daher ist es sicher sinnvoll, einen eigenen Faden dafür anzulegen.
Die Syntax von LilyPond sieht in einfachen Beispielen gut aus, aber wie dieses Beispiel zeigt, kann der Code auch so aussehen, dass es alles Andere als einfach zu verstehen ist. Oder besser gesagt: NICHT zu verstehen ist. Das Notenbild ist von diesem Text nicht mehr herleitbar.
Wenn man eine Syntax wie in LilyPond entwirft, dann muss man auf halbem Weg ggf. nochmal neu darüber nachdenken, wie man das einfacher lösen kann. Aber ab einem gewissen Programmstand wird man das Gefühl haben, jetzt gibt es kein zurück mehr. Aber gute Ideen sind bestimmt viele im LilyPond-Format enthalten.
Tipp
Wenn man in der Dokumentation auf einen Link klickt, das kommt immer die englische Seite. Wenn man an die Url ein .de.html anhängt, gelangt man zur dt. Übersetzung.
Gibt es ggf. ein deutsches PDF?
Edit:
Ich habe mir die Doku runtergeladen. Darin gibt es ein PDF learning.de.pdf
Es kam die Frage auf, was jetzt an LilyPond besser sein soll, als bei einem anderen Musikprogramm. Dies läßt sich hier (PDF) nachlesen.
Ich habe Frescobaldi installiert. LilyPond muss separat installiert werden.
Nach der Eingabe eines Minibeispiels
\version "2.24.4"
{ c' }
passiert mit Strg+M nichts.
Das man den Quelltext erst speichern muss, wäre ein benutzerfreundlicher Hinweis gewesen.
So sieht's in der Vorschau aus:
Bild entfernt (keine Rechte)
Das Format von LilyPond ist im Vergleich zu musicxml extrem kompakt. musicxml ist klar ein Austauschformat, aber ein extrem aufgeblasenes Format.
Wenn man eine Partitur erst mal hat, dann sind kleine Änderungen, wie z.B. Abstände von Noten und Texten in LilyPond einfach und sicher zu ändern.
Es wird empfohlen ein Sourcecode-Verwaltungssystem wie Git einzusetzen, weil damit eine leistungsfähige Änderungsverfolgung für das textbasierte LiliyPond-Format zur Verfügung steht.
Allerdings gibt es viele Optionen und solange man die nicht kennt, stößt man oft auf eine unbekannte Notation. Man kann Makros in Variablen ablegen und an beliebiger Stelle einfügen. Ich plädiere für LilyPond als allgemeines Austauschformat :-)
Bei Mutopia gibt es für Orgel 185 Werke u.a. im LilyPond-Format.
Ich habe in den letzten Tagen für ein Chorlied meine Tenor-Stimme mit jeweils einer (sichtbaren) Strophe im Handy-freundlichen Layout gesetzt. Lilypond hat eine Midi-Datei erzeugt, die ich mit Hauptwerk abgespielt und aufgenommen habe. Auf meinem Notebook lief die Midi-Stimme nur im Pedal, daher habe ich die Manual-Register ins Pedal gekoppelt und meine Stimmlage aufgenommen. Klasse was machbar ist und schade, das rechtliche Gründe auf Noten und Texte eine Verbreitung verhindern (lt. Chatgpt ist die Verwendung im Kirchenchor nur für den Eigengebrauch unkritisch). Auf dem Handy ein Traum!
Licht und Schatten
Nachdem ich einige Lieder mit Lilypond gesetzt habe, kann ich sagen, dass es im Großen und Ganzen in Verbindung mit Frescobaldi ein hervorragendes Tool ist. Ohne ChatGPT hätte ich wahrscheinlich die Lust daran verloren, weil man die Notation erlernen muss. Die KI ist super dafür geeignet, Dokumentationen in Sekundenschnelle zu durchsuchen.
Was am meisten nervt ist, dass man trotz Angabe der Tonart, z.B. Es-Dur trotzdem die Noten als "es", "as" oder "bes" notieren muss. Mir wäre ein e, a, oder b lieber, dann kann man die Noten zügiger notieren. Wenn eine Hand auf dem Notenblatt liegt und die andere tippt, dann ist das eine unnötige Belastung.
Auch für die eckigen Klammern (z.B. für Achtelbalken) brauche ich beide Hände und verliere beim Notenblatt ab und an die Übersicht.
Aber das ist sicher nicht so nervig und langsam, wie die Eingabe und Korrektur in einem Notationsprogramm.
Mittlerweile habe ich über 40 Lieder für meine Stimmlage erfasst. Ursprünglich hatte ich geplant, die komplette Werk-/Notenerfassung per Spracheingabe auf dem Handy zu erledigen. Das hat sich aber als nicht so perfekt herausgestellt, wie ich das erhoffte.
Es entstanden zu viele Fehleingaben, die teils per Programm und teils manuell korrigiert werden mussten. Als noch harmloses Beispiel: Gesprochen "Es-Dur", im Text erscheint "S-Dur". Ich habe mir erst so beholfen, dass ich "e"-"s"-"d" spreche und das im Programm nach "Es-Dur" umwandle. Aber letztendlich war die Spracheingabe nicht die schnellste Vorgehensweise (die Vorstellung hatte ich anfangs).
Die Tage hatte ich die Nase voll und habe eine kleine Klaviatur (eine Oktave) programmiert. Dazu ein paar Buttons für Notenlängen, Pausen etc. Das funktioniert schon ganz ordentlich. Schneller geht es mit noch mehr Buttons, für die auf dem Handy aber kein Platz ist. Vielleicht erstelle ich mir doch mal eine Version fürs Tablet.
Als Nebeneffekt habe ich einige Lilypond-Techniken erlernt. Der letzte Wahnsinn war, mitten im Lied eine Wiederholung (nicht am Anfang oder Ende) und die Wiederholung mit abweichendem Text. Das muss man erst mal hinbekommen. Wie gesagt, die KI scannt das Wissen im Internet und hat nach drei Sekunden Vorschläge parat. Nicht immer perfekt, aber das bereits angesammelte Wissen hilft dann auch der KI auf die Sprünge ;-)
Soweit mal mein Handy-Erfahrungsbericht. Mit Binde- und Haltebögen sieht der Output schon ganz vorzeigbar aus.
Das ist nur ein kleiner Teil der Verarbeitungskette... Den Rest kann ich mal beim nächsten Treffen (?) erzählen ;-)
Ich habe mir ein Template-System gebastelt, um möglichst effizient zu sein.
Template für meine Tenor-Stimme:
T = \relative c {
\global
\clef bass
\autoBeamOff
\bar "|."
}
Mit \autoBeamOff schalte ich die Anzeige des Bass-Schlüssels ab, um Platz auf dem Handy-Bildschirm zu sparen.
Die Hauptdatei ist etwas umfangreicher:
\version "2.26.0"
\paper {
paper-height = 190\mm
paper-width = 120\mm
line-width = 110\mm
indent = 0\mm
system-system-spacing.basic-distance = #16
}
global = {
\time 4/4
\key e \major
}
\header {
title = \markup \normalsize "<Liedtitel>"
composer = \markup \small "<Info zum Komponisten>"
}
\include "T.ly"
\include "lyrics.ly"
\score {
<<
\new Staff <<
\new Voice="Tenor" { \voiceOne \T }
\new Lyrics \lyricsto "Tenor" { \stropheEins }
>>
>>
\layout {
\context {
\Staff
\remove "Clef_engraver"
}
\context {
\Lyrics
\override LyricText.font-size = #2
}
}
\midi { }
}
Die Stimmdatei T.ly:
T = \relative c {
\global
\clef bass
\autoBeamOff
<Noten>
\bar "|."
}
Mit \relative wird ein Modus eingestellt, der die Tonhöhe bzw. Oktave des vorherigen Note berücksichtigt.
Ich glaube bis zu einer Quinte nimmt Lilypond den naheliegendsten Ton.
Mit <note>' oder <note>, (z.B. c' oder c,) kann man eine Oktave höher oder niedriger gehen.
Wenn anfangs eine Wiederholung existiert, dann wird das mit
\repeat volta 2 { <noten> }
realisiert.
In der zweiten Liedhälfte kann man das so machen:
<noten> \repeat volta 2 { <Noten> }
Mitten im Lied:
<noten> \repeat volta 2 { <noten> } <noten>
Einen Bindebogen macht man mit runden Klammern:
c (d) für c bis d oder c (d e) von c bis e.
Eine Haltebogen:
c ~ c
Notenbalken:
c8 [d] für einen Achtelbalken von c auf d. Ist d eine 16-tel: c8 [d16]
Notendauern: 1, 2, 4, 8, 16, 32 für ein c: c1, c2, c4, c8, c16, c32
Für punktierte Noten muss man ein "." anhängen, z.B. c2. für eine punktierte halbe Note.
Die Text-Datei lyrics.ly:
stropheEins = \lyricmode {
"1. Al" -- so hat Gott die Welt ge -- liebt,
}
Hier sieht man, wie ich die Strophen-Nummer innerhalb einer Silbe positioniere.
Mit -- (Leerzeichen Minus Minus Leerzeichen) werden die Silben getrennt
Die Textpositionierung ist teils abenteuerlich.
Habe ich eine Wiederholung im ersten Teil, dann definiere ich
stropheEins = \lyricmode {
<Erster Text-Teil der Wiederholung>
<Text nach der Wiederholung>
}
stropheEinsWdh = \lyricmode {
<Zweiter Text-Teil der Wiederholung>
}
Ganz wild wird es, wenn man eine Wiederholung mitten im Lied hat.
Dann muss man den Wiederholungstext um n-Lyrics verschieben, weil der Text sonst am Liedanfang steht.
stropheZweiWdh = \lyricmode {
\repeat unfold 40 { \skip 1 } <text>
}
In diesem Beispiel wird der Text um 40 lyrische Einheiten nach hinten verschoben, so dass der Text an der richtigen Position erscheint.
Mehrere Textbausteine werden in der Hauptdatei z.B. so eingebunden:
\new Staff <<
\new Voice="Tenor" { \voiceOne \T }
\new Lyrics \lyricsto "Tenor" { \stropheEins }
\new Lyrics \lyricsto "Tenor" { \stropheEinsWdh }
\new Lyrics \lyricsto "Tenor" { \stropheZweiWdh }
>>
\voiceOne bedeutet Notenhals nach oben, also 1. Stimme im System.
Für den Bass wäre das dann \voiceTwo für den Notenhals unten.
Beispiel: \new Voice="Bass" { \voiceTwo \B }
Das \T und \B stammt von mir und steht für die Stimme Tenor und Bass (siehe Stimmdatei oben "T = \relative c {")
stropheEins usw. ist auch meine Bezeichnung. Aufgepasst: "strophe1" akzeptiert Lilypond nicht!
Die Einzelstimmen erfasse ich in separaten .ly-Dateien, um möglichst flexibel zu bleiben.
Ich kann also Einzelstimmen verwenden oder in der Hauptdatei Tenor- und Bass-Stimme zusammen legen.
Unerforscht ist noch, wenn beim Zusammenlegen gleichzeitig unterschiedliche Texte gemischt werden müssen.
Aber das hat noch Zeit. Textpositionierung wie "von Anfang bis Ende", oder Noten für "1. Wdh" und "2. Wdh" habe ich gerade nicht parat.
Den ersten Wurf schaue ich mir dann mit Frescobaldi an, wo dann ggf. Fehler korrigiert werden. Das Tool ist sehr hilfreich.
In der PDF-Vorschau springt der Editor mit Klick auf eine Note in die Notendatei (T.ly) und markiert die Stelle. Mit Klick auf einen Text springt der Editor in die Lyrics-Datei (lyrics.ly), wo dann meistens die Silbentrennung angepasst werden muss. Typischerweise ist das ein "ü -- ber" oder "e -- wig", also Besonderheiten bei der Lied-Silbentrennung, die ein üblicher Silbentrenner für normale Texte nicht kennt.
Ggf. gefallen einem die Abstände zwischen Lyrics-Lyrics oder System-Lyrics nicht. Dazu verwende ich diese Zeilen:
% Abstand Notensystem - erste Lyrics-Zeile
\override VerticalAxisGroup.nonstaff-relatedstaff-spacing.padding = #.8
% Abstand erste - zweite Lyrics-Zeile
\override VerticalAxisGroup.nonstaff-nonstaff-spacing.basic-distance = #7
Das kann man global im layout-context oder lokal mit \new Lyrics \with { } setzen.
Das kann man auch in ein Template (Makro in Lilypond) packen und in alle Lieder einbinden.
"%" ist übrigens das Zeichen für einen Zeilenkommentar.
An Stellen mit längeren Pausen füge ich eine Nachbar-Stimme (Bass) als Stichnoten in leichtem Grau ein, damit ich den Einsatz nicht verpasse.
Farbdefinition: cueColor = #(x11-color 'gray70)
Anstelle new Voice schreibt man
\new CueVoice="Bass"
{ \voiceTwo
\override NoteHead.color = \cueColor
\override Stem.color = \cueColor
\override Beam.color = \cueColor
\override Flag.color = \cueColor
\B
}
In der Stimmdatei B.ly stehen die Noten "B = \relative c { ... }"
Um eine Silbe zu verlängern, kann man ein Melisma verwenden.
Für jede Note setzt man einen Unterstrich ein, z.B. für ein verlängertes "uns": "bei uns, __ und".
Triolen: \tuplet 3/2 { ... } (3 Noten in der Zeit von 2 gleichwertigen Noten).
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