Die besten Manuale der Welt?

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02.10.2025 22:13
avatar  Montre
#1
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Von https://keychange-keyboards.com gibt es vermutlich die besten (und teuersten) Manuale der Welt.

Die Spieleigenschaften sind jederzeit vom Organisten über die mitgelieferte KeyControl Software einstellbar:

Bild entfernt (keine Rechte)

Der Spieler kann sich Presets erstellen, speichern und abrufen:

Bild entfernt (keine Rechte)

Die Manuale bekommen nur Händler: Netto 4500 €, inkl. 19% MwSt. 5355 € / Manual, plus Versandkosten

Man kann ein Tastengewicht bis zu 350g einstellen


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03.10.2025 12:40 (zuletzt bearbeitet: 03.10.2025 12:44)
#2
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Interessantes Konzept. Hier geht's zum dazugehörigen Patent DE202024001264U1 Tastatur für einen (sic!) Tasteninstrument.

Zitat von Montre im Beitrag #1
Man kann ein Tastengewicht bis zu 350g einstellen

Diese Option gibt's allerdings exklusiv (wie auch "sichtbare mechanische Koppeln") bei Mixtuur. Die Variante für andere Händler hat "nur" 250 g Tastengewicht.

Wenn man ein bisschen auf der Webseite herumliest, ist dort die ein oder andere etwas fragwürdige Marketingaussage zu finden, z.B.

Zitat
Unsere Ingenieure kommen aus der Luft- und Raumfahrtforschung – die Klaviaturen sind also theoretisch auch auf dem Mond einsetzbar…

Ernsthaft?

Zitat
Der Stromverbrauch beträgt im normalen Spielbetrieb mit einem mittleren Tastengewicht von 120g in etwa 120 Watt.
Das entspricht dem Verbrauch zweier 60W-Glühbirnen – und damit deutlich weniger als dem PC in einer HAUPTWERK-Orgel.

Bei drei Manualen sind das schon 360 W - mein Hauptwerk-Rechner hat eine maximale Leistungsaufnahme von 150 W...

Nichtsdestotrotz finde ich die Möglichkeit, quasi beliebige Trakturen zu Hause nachbilden zu können, spannend. Mal sehen, ob irgendwann die entsprechenden Presets zum Lieferumfang der Sampleset gehören.


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03.10.2025 13:39
#3
So

Zitat von Großbordun im Beitrag #2

Wenn man ein bisschen auf der Webseite herumliest, ist dort die ein oder andere etwas fragwürdige Marketingaussage zu finden, z.B.

Zitat
Unsere Ingenieure kommen aus der Luft- und Raumfahrtforschung – die Klaviaturen sind also theoretisch auch auf dem Mond einsetzbar…
Ernsthaft?


Logisch, handelsübliche Fatar- oder noch schlimmer selbst midifizierte Manuale würden auf dem Mond überhaupt nichts tun. Nur, was ist die geheime Zutat? Feenstaub?


Zitat von Großbordun im Beitrag #2

Zitat
Der Stromverbrauch beträgt im normalen Spielbetrieb mit einem mittleren Tastengewicht von 120g in etwa 120 Watt.
Das entspricht dem Verbrauch zweier 60W-Glühbirnen – und damit deutlich weniger als dem PC in einer HAUPTWERK-Orgel.
Bei drei Manualen sind das schon 360 W - mein Hauptwerk-Rechner hat eine maximale Leistungsaufnahme von 150 W...


Das ist eine nette Funktion, keine Frage. Ich glaube aber der potenzielle Kundenkreis ist enorm eingeschränkt. Zu dem Vergleich mit dem HW-PC ist nicht viel zu sagen, hat in etwa die Aussagekraft der Sache mit dem Mond weiter oben.


Interessanter finde ich da schon eher die OSI Tastaturen, wobei preislich natürlich auch Premium. Aber wer weiß, vlt. muss ich mir irgendwann aus finanziellen Gründen mal teurere Tastaturen kaufen...

https://osi-profisoundsysteme.de/hardwar...uer-tastaturen/


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03.10.2025 14:23
#4
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Zitat von Soubasse im Beitrag #3
Interessanter finde ich da schon eher die OSI Tastaturen, wobei preislich natürlich auch Premium. Aber wer weiß, vlt. muss ich mir irgendwann aus finanziellen Gründen mal teurere Tastaturen kaufen...


Beim nächsten Spieltisch ;-). Probespielen wäre schon interessant, zumal OSI ja auch als Händer für die Keychange-Keyboards gelistet ist und man bei ihm vermutlich alle Varianten gegeneinander austesten kann. Schade, dass es nicht mal eben um die Ecke ist.


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04.10.2025 16:43
#5
So

In einem anderen Forum kann man etwas von 6.000€+ pro Manual lesen.


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04.10.2025 20:51 (zuletzt bearbeitet: 04.10.2025 21:00)
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#6
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Der Händlerpreis (B2B) ist 4500 netto, Erweiterung durch Händler zu einem nutzbaren Manual (Klaviaturbacken), Hauptwerk-Integration, Gewinn, nochmal ein paar Hunderter drauf, dann kommst du mit Märchensteuer auf ca. 6k+. Ab 10 Manualen pro Jahr gibt es Staffelpreise für den Händler. Infos aus erster Hand (meine Anfrage per Mail, Screenshots in #1 ebenso aus der Antwortmail).


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09.10.2025 20:22
avatar  Montre
#7
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Weitere Infos:
Aktuell sind die Einstellungen nicht per MIDI steuerbar, aber mittelfristig vermutlich schon.

Das Keyboard verfügt über MIDI In-, Out- und Thru-Anschlüsse. Aktuell wird nur NoteOn und NoteOff inklusive Velocity gesendet.
Weitere Funktionen sind derzeit nicht implementiert.

Jedes Keyboard verfügt zusätzlich über eine Standard-Ethernet-Schnittstelle, über die das Keyboard per TCP/IP konfiguriert werden kann. Darüber hinaus sind auch dynamische Änderungen (z. B. des Tastengefühls) möglich. Mehrere Keyboards und ein PC können einfach mit einem handelsüblichen Ethernet-Switch miteinander verbunden werden.

In der KeyControl-App gibt es Parameter/Schieberegler, um das Tastengefühl zu verändern z.B. Tastenwiderstand, Ventilfederkraft, Druckpunktposition u.a.

Durch Kombination dieser Parameter lässt sich nahezu jedes gewünschte Tastengefühl nachbilden – von einer pneumatischen Traktur über eine leichte mechanische Traktur (wie bei einer Hausorgel) bis hin zu einer schweren gekoppelten Orgeltraktur.

Eigene Einstellungen können als Presets gespeichert und mit nur einem Klick geladen werden.

Es gibt eine .NET-API, mit der das Tastengefühl automatisiert angepasst werden kann. Das Tastengefühl ändert sich daraufhin in Bruchteilen einer Sekunde.
Die dazugehörige Dokumentation befindet sich derzeit in Arbeit und wird in Zukunft kostenfrei zur Verfügung stehen.


Oh Leute, damit könnte ich mit meinem Midi-Panel die Tastaturen vollautomatisch steuern! Aber 6k für ein Manual.... das ist wirklich etwas viel.


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13.10.2025 20:48 (zuletzt bearbeitet: 13.10.2025 20:54)
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#8
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Auf die Frage nach der Zielgruppe sind Organisten und Organisationen angesprochen, die maßgeblich auf ein gutes Spielgefühl wert legen. Insbesondere wenn Interessenten einmal zur Probe gespielt haben, dann ist der Preis scheinbar kein KO-Kriterium mehr. Ab 2026 werden auch Orgelbauer diese Klaviatur in elektrische Spieltische verbauen. Die Händler bekommen eine Demo-Klaviatur zu einem reduzierten Preis.


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14.10.2025 20:43
#9
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Das sind Luxus Dinge, die eigentlich einen überschaubaren Mehrwert haben. Wie lange so etwas hält mit einer vermutlich aufwändigen Magnetkontruktion und Mechanik ist auch eine spannende Frage. Überlebt so ein Manual vier Jahre täglich zwei Stunden Spiel?

Aber wie gesagt, man kann es sich gönnen, man kann aber auch auf einem 99€ midi keyboard anständig spielen.


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14.10.2025 22:10
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#10
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Keine Frage, Luxus ist diese Klaviatur auf jeden Fall.
Auf die klappernden Fatars meiner Johannus habe ich ehrlich gesagt schon Jahre keine Lust mehr drauf. Die UHT habe ich mal spielen können, aber das Will-Ich-haben-Gefühl kam (für den Preis) nicht auf. Natürlich sind UHT's edler als eine Fatar-Standard-Tastatur. Der Holzbelag bei den Tasten ist sicher ein entscheidendes Kriterium für ein äußerst angenehmes Spielgefühl (was man auch bei Fatar o.ä. bekommt).

Die Haltbarkeit der Keyboards ist allerdings eine spannende Frage.

Was "anständig spielen" bedeutet, müsste man definieren. Ich finde es schon sehr nützlich, wenn der Tastendruck bei gekoppelten Manualen zunimmt, wie an der realen Dienst-Orgel auch. Das ist viel mehr Wert als dein erwähnter "überschaubaren Nutzen". Aber klar, wenn man überhaupt keine Ansprüche hat, dann kann man alles Neue und Bessere ignorieren.

Was bei mir bzgl. Klaviaturtest noch aussteht, sind die Marken Schwindler, AWK, OSI (die Neuen) und diese neuen Keyboards.


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14.10.2025 22:17
#11
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Zitat von Montre im Beitrag #10
Was "anständig spielen" bedeutet, müsste man definieren. Ich finde es schon sehr nützlich, wenn der Tastendruck bei gekoppelten Manualen zunimmt, wie an der realen Dienst-Orgel auch. Das ist viel mehr Wert als dein erwähnter "überschaubaren Nutzen".

Kommt eben auf die Orgel an. Mit Barkerhebel merkst du keinen Unterschied ob du ein oder tausend Register spielst :)

Rein praktisch würde ich es schon gerne mal testen wie konsequent dort eine Mechanik simuliert wird. Eine mechanische Orgel hat ja unterschiedliche Widerstände. Im Bass ganz außen wo der Weg zu den Ventilen am weitesten ist und die Ventile oft größer sind, ist er oft höher als außen im Diskant wo die Ventile kleiner sind. Wobei es in der Mitte aufgrund der kürzeren Abstrakte oft am leichtesten gehen kann.


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15.10.2025 19:48 (zuletzt bearbeitet: 15.10.2025 22:12)
avatar  Montre
#12
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Im Screenshot sieht es so aus, dass nur Einstellungen pro Manual möglich sind. In der genannten Preisregion erwarte ich Einstellungen für Manual-Bereiche mit auf- oder absteigender Gewichtung. Wenn der Preis für mich keine Rolle spielen würde, dann wäre dieses fehlende Feature mein KO-Kriterium. Wenn schon, dann richtig.

Fallen euch weitere Punkte ein, was diese Klaviatur zur Simulation der unterschiedlichen Windladen/Bauformen können sollte?


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17.10.2025 23:42 (zuletzt bearbeitet: 18.10.2025 12:11)
avatar  Montre
#13
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Zitat von Christian_Hofmann im Beitrag #9
man kann es sich gönnen, man kann aber auch auf einem 99€ midi keyboard anständig spielen.

Und dann kann man sich auch vier Manuale leisten :-)
https://www.youtube.com/watch?v=4gkkrsKkMsg


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10.11.2025 15:45
#14
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Liebe Forianer,

ich hatte heute Besuch von KeyChange-Keyboards. Vivien Geldien und Steffen Gattermann waren auf der Durchreise zu einer Präsentation ihrer Orgelklaviaturen in Holland bzw. zur Auslieferung bereits gebauter Tastaturen. Sie waren so freundlich, in Bochum einen Zwischenstopp einzulegen.

Mein Spieltisch verfügt über Heuss-Tastaturen mit "Druckpunkt-Mechanik", die preislich vor 20 Jahren teuerer waren, als die KeyChange-Keyboards heute. Vorher hatte ich 6 Jahre auf UHT-Tastaturen gespielt. Meine aktuelle Tastaturen finden immer ein sehr positives Echo bei den Konzertorganisten, aber sie haben (in geringerem Maß) die gleiche Schwäche wie UHT-Tastaturen, dass der Rückweg der Taste, den gleichen Druckpunkt aufweist, wie beim Niederdrücken. So gut der Druckpunkt auch simuliert wird, er lässt sich natürlich nicht kurzzeitig verändern oder abschalten. Und gerade beim Spiel von romantischer Literatur auf einem romantischen Samplesets empfinde ich machmal den Druckpunkt als störend.

Mein Eindruck zu den KeyChange-Tastaturen:
- Die Manuale sind sehr gut verarbeitet (stabiler Alurahmen, präzise Lagerung der Tasten, schöne Holzqualität).
- Die Einstellparameter bieten die Möglichkeit, unterschiedliche Traktursysteme außerordentlich gut abzubilden.
- Die Manuale sind grundsätzlich nachrüstbar.
- Die Tastaturen sind auch einzeln zu beziehen, so dass man nicht den gesamten Spieltisch umrüsten muss (d.h. z.B. ein Manual KeyChange, andere Manuale wie bisher).

Ich kann nicht alle Parameter hier wiedergeben und sie wären wahrscheinlich auch nicht vollständig, aber folgendes hat mich sehr angesprochen:
- Die Leerreise vor dem Druckpunkt ist wählbar.
- Das Gewicht des Druckpunktes ist regelbar.
- Die Reise, über die der Druckpunkt geht, ist von der Länge, als auch von der Gewichtung einstellbar.
- Die Gewichtung nach Durchschreiten des Druckpunktes ist regelbar.
- Die Parameter sind keine fixen Werte, sondern können als Kurven definiert werden.
- Die Gewichtung des Druckpunkts kann im Bassbereich der Tastatur %-ual erhöht und im Höhenbereich der Tastatur %-ual verringert werden.
- Die Tastaturen sind anschlagsdynamisch.
- Die Software kann messen, wie weit die Taste gedrückt ist. Das ist m.E. eine Voraussetzung dafür, wenn man Ventile nur teilweise oder langsam öffenen will (bei Pfeifenorgeln bzw. wenn es dieses Feature irgendwann in einem Sampler gibt).

Die anscheinend von Holländern gewünschte Gewichtung von 350g ist zwar interessant, vielleicht auch für Übezwecke einsetzbar, schien mir aber übertrieben. Ebenso ist das Mitgehen der Tasten von gekoppelten Manualen durchaus reizvoll, für mich aber mehr ein Gimmick.

Es ist klar, dass der Markt für diese Manuale sehr begrenzt ist. Aber meines Erachtens sind es die einzigen Tastaturen, die durchaus auch für einen elektrischen Spieltisch einer Pfeifenorgel in Betracht kommen. Wahlweise könnte man die mechanische Traktur der jeweiligen Pfeifenorgel simulieren oder eine druckpunktfreie gewichtete Tastatur anlegen. Und das auf Knopfdruck wechseln.

Nach meinem heutigen Probespiel und mehrstündiger Diskussion kann ich die Frage aus dem Eingangsbeitrag (Die besten Manuale der Welt?) aus meiner Sicht mit "ja" beantworten.

Viele Grüße
Jörg


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10.11.2025 20:39
#15
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Hallo Jörg,

vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht! Ich fange dann schonmal an zu sparen.

Viele Grüße
Sascha


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